Archiv für September 2010

poptalk

Sonntag, 26. September 2010

…im Museum Ludwig, Köln. Ein Facebook-Auftritt, ein Blog, bei dem man zwei KuratorInnen bei ihrer Arbeit begleiten kann, sowie poptalk zur aktuellen Ausstellung: ein Angebot, das von Museumsmitarbeitern betreut wird, Fragen gestellt und beantwortet und in Foren allerlei diskutiert werden kann. Und alles abonnierbar per rss… ich habe den Eindruck, das Museum Ludwig hat einige der am Freitag bei der Tagung “The audience is the message” angesprochenen Fragen und Anregungen bereits seit einiger Zeit integriert. Sieht so aus, als könnte man sich das noch ein bisschen genauer ansehen … Insbesondere auf die Diskussionsfrequenz und -qualität hin. 280 Fans in kurzer Zeit, vielleicht sind da nicht nur Konsumenten, sondern auch ein paar Produzenten dabei?

"Social media is like teen sex…

Freitag, 24. September 2010

Everyone wants to do it. No one actually knows how. When finally done, there is surprise it’s not better.”
So ein Tweet von Avinash Kaushik, Webanalyst bei Google. Und so auch das Thema, dem sich eine Tagung am 24. September in der ZHdK widmete. Ausgerichtet wurde sie von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und bot unter dem Titel “The Audience is the message” den gut 100 TeilnehmerInnen aus Kunst, Kulturunternehmen und -institutionen einen Einblick in den aktuellen Stand der Dinge im deutschsprachigen web 2.0.
Gleich zu Beginn polarisierte der launige Medienwissenschaftler Klaus Siebenhaar aus Berlin den Bereich der social media, indem er einerseits den neuen Tools das Potential zusprach, alte Kulturtechniken neu aufzugreifen und zu bearbeiten, den Usern jedoch zu viel “Fernsehmentalität” unterstellte, um wirklich aktiv am Mitmachnetz teilzunehmen (ARD/ZDF-Online-Studie 2010). Dennoch könnten insbesondere kleinere Häuser vom digitalen Wandel profitieren – wobei wirkliche Partizipation seiner Meinung nach nicht stattfinde. Diese Meinung bestärkte er während der Podiumsdiskussion am Ende der Veranstaltung nochmals, wobei er hier stärker ein Augenmerk darauf legte, dass Hierarchien und Fragen nach Autorschaft und Partizipation im Netz stets nur so beantwortet werden können wie auch “in echt”, heisst: Möchte eine Insitution keine ausgeprägte Beteiligung der BesucherInnen, dann ändert daran auch der Einsatz von social media nichts. Dennoch endete Siebenhaar seinen Vortrag mit einer erfrischenden Geschichte eines kleinen Blumenladens in Berlin, der auf Grund von “Respect – Empower – Include” (also Kommunikation auf Augenhöhe – Ermächtigung zur Mitsprache – Einbindung) mit Hilfe eines web 2.0-Projektes gerettet werden konnte.
Stärker marktwirtschaftlich ausgerichtet war der nächste Vortrag von Helge Kaul, Herausgeber einer Studie zu “Social Media Marketing in Kunst und Kultur”, die direkt auf der Homepage der ZHAW bestellt werden kann. Er beschäftigt sich dort insbesondere mit den Fragen, wie intensiv deutschsprachige Kulturanbieter social media einsetzen und ob sich dadurch ein Erfolgsbeitrag im Marketing nachweisen lässt.
Und zum Glück gab es vor der Mittagspause noch einen Blick in die Praxis: Axel Vogelsang und Bettina Minder aus Luzern erarbeiten aktuell mit audience+ einen Leitfaden für Museen im web 2.0, der hoffentlich nächstes Frühjahr als Ergebniss eines partizipativen Prozesses direkt bei audience+ einsehbar sein wird. Man darf gespannt sein. Der Blog von audience+ sowie die bei der Tagung vorgestellten Workshops mit Museen zu Grundlagen, Marketing, Vermittlung, Partizipation und Wissensmanagment im social web sind äussert engagiert und lassen auf einen reflektierten und spannenden Leitfaden/Fragebogen/Blog/… für den musealen Umgang mit social media hoffen.
Ähnlich die Thematik, doch ganz anders der Ausgangspunkt von Stefan Häfliger von etoy.CORPORATION (is art and invests in art). Die Sicht der Künstlerfirma, Aktiengesellschaft, corporate sculpture auf Kunst und die Welt geschieht vor allem unter fünf Gesichtspunkten: Begrenzung, immateriellem Wert, Dokumentation, Autorschaft und Beteiligung. Diskussionen darüber, welchen Unterschied es für Kulturinstitutionen macht, wenn sie “am Netz ziehen und nicht am Seil” folgten, waren hitzig und von oft ähnlichen Ängsten, Hoffnungen und Erwartungen begleitet: Kapazitäten, Deutungshohheit, Fragen nach dem Zielpublikum.
Diese Aspekte wurden auf der folgenden Podiumsdiskussion zum Teil erneut aufgegriffen und sicherlich nicht abschliessend geklärt. Ich möchte sie kurz und assoziativ zusammenfassen mit ein paar Zitaten, Fragen und Anmerkungen, die mir symptomatisch für die Tagung sowie den aktuellen State of the Art im deutschsprachigen Raum erscheinen:

Nutzung des web 2.0 – Zusatz zum eigentlichen Programmes oder mit eigenem, kohärentem Konzept?

Alle digitalen Angebote sind nur so gut, wie das Haus selbst, resp. seine sonstigen Angebote.

Ohne content macht auch das beste Tool keinen Sinn.

Problematisch erscheint der Einsatz von social media weiterhin bezüglich Fragen nach Autorschaft und Kontrolle.

Im Kontollverlust liegt Versprechen.

Jedes neue Medium schafft ein neues Rezeptionsverhalten.

Lust an der Kommunikation. Schwächen und Fehler dürfen passieren.

Häufig hindert eine starke Zielorientierung den Einsatz von web 2.0 Tools, die sich stärker im Prozesshaften verorten lassen.

Der Zauber, der in Live-Aufführungen steckt und dadurch im Ergebniss, ist ein starkes Argument für Kultureinrichtungen. Dieser Zauber kann so im Netz nicht erzielt werden.

Experten sind nicht mehr exklusiv!

Bei dieser vielversprechenden und optimistischen Aussage musste ich leider aufbrechen, habe aber sehr viel mitgenommen aus dem heutigen Tage und hoffe auf einen weiterhin regen Austausch im, über und durch das Netz.

P.S.: Und, mein ganz persönlicher Nachtrag: Dem social web wohnt doch einfach auch immer ein subversives Element inne, das man doch auch mal überlegen könnte, stärker ein- und auszubauen. Oder nicht?

engage

Montag, 13. September 2010

Vorschau auch gleich auf noch eine Tagung, diesmal in England, die sich der Zukunft der Vermittlung vor allem auch im web-medialen Bereich widmet : The Art of Influencing Change findet vom 03. bis zum 05. November in Nottingham statt.

stART-conference ist beendet

Montag, 13. September 2010

Leider konnte ich nicht dabei sein – aber die Berichte dazu sind spannend und allen, die sich für das Potenzial des web 2.0 im kulturellen Bereich interessieren, sind die Zusammenfassungen auf startconference und audience+ ans Herz zu legen. Nach Sichtung der Beiträge werde ich auf einzelne Standpunkte hier weiter eingehen. Viel Spass und herzlichen Dank für die vielen Infos!

Beispiele

Sonntag, 5. September 2010

Ich habe eine neue Kategorie eingeführt: Praxis. Praktische Beispiele nicht nur – aber vor allem – musealer Vermittlungsangebote im web 2.0. Da das Rad nicht immer wieder neu erfunden werden muss, können sie als Inspirationsquelle dienen, Ideen liefern und eventuell an eigene Bedürfnisse angepasst werden.
Und daneben gibt es natürlich die Theorie – Anregungen, Hintergründe, Anleitungen, Vorschläge zur Arbeit mit verschiedenen Tools im Internet.
Momentan muss diese einfache Auflistung ausreichen, doch mir schwebt vor, die Beispiele konkreter sammeln und zusammenführen zu können – über die Art des Mediums (leicht bedienbar, für alle zugänglich, ausbaubar, kategorisierbar) bin ich mir noch nicht schlüssig. Eventuell ist ein WIKI dafür geeignet? Oder hat jemand eine bessere Idee?