Netz macht Kultur

Eine Zusammenfassung der Tagung Netz macht Kultur auf dem Blog zukunftkulturvermittlung schliest mit dem Hinweis, dass Kulturvermittlung zu professionalisieren sei – egal, ob im digitalen oder im analogen Bereich, da die Prinzipien dieselben seien. Ich pflichte Frau Mandel grundsätzlich bei, habe ja selbst in einem eigenen Blogbeitrag davon gesprochen, dass “nicht der Einsatz von partizipativen Medien [...] die Vermittlung partizipativer [macht], sondern die Einstellung der Beteiligten” und ein Umdenken der beteiligten Häuser notwendig ist. Dennoch würde ich gerne auf einen Bereich fokusieren, der digitale von analogen Medien doch noch mehr unterscheidet, und Relevanz auch für die Vermittlung hat: Die Transparenz, die durch den Einsatz von digitalen Tools forciert werden kann – Transparenz der musealen Strukturen, Transparenz der Wissensproduktion, Transparenz der Hierarchien – diese Transparenz, wenn vom Museum gewollt und eingesetzt, kann dazu führen, dass die Institution sich neu positioniert und sich beteiligt an Diskursen und Debatten. Dass das “Umdenken [in] der Unternehmenskultur“, von der Mandel spricht, nicht nur darin besteht, die Öffentlichkeit an der Institution partizipieren zu lassen, sondern selbst Teil der Öffentlichkeit zu werden und Kollaboration statt Partizipation zu initiieren. Vermittlung würde dann heissen, dass Museen aktiv teilnehmen am gesellschaftlichen Leben, zu Plattformen und Diskussionsräumen werden und Orte der Begegnung werden, an denen gesellschaftliche Bedingungen ausgehandelt werden können. Diese Entwicklung, die sich ganz vage vor allem im angelsächsischen Raum abzuzeichnen beginnt, kann durch einen überlegten Einsatz von Social Media und ein bewusstes sich Öffnen in digitalen Welten nur unterstützt werden.

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4 Kommentare zu „Netz macht Kultur“

  1. ok2punktnull sagt:

    Hallo, du schreibst, dass sich im Hinblick auf “Transparenz” digitale von analogen Medien unterscheiden. Es geht hier doch aber um die Diskussion der Mehrwerte, die digitale Vermittlung bringen kann oder eben nicht. Wenn es um die Aufdeckung von Strukturen geht, um die Verhandlung, wie Kunst überhaupt Legitimation und Bedeutung durch die Institution “Museum” erfährt, dann (finde ich) kann diese, das Museum dekonstruierende und in ihren Machtverhältnissen zur Konstruktion von Bedeutung offen legende “Vermittlung” sowohl analog als auch digital unterstützend geschehen. Es wäre interessant, was Mörsch, Sturm und Sternfeld zu den Möglichkeiten der Web 2.0-Kommunikation in Bezug zur Möglichkeit von “Transparenzdarstellung” einer Institution sagen würden. Zu überlegen wäre ersteinmal auch, was Transparenz hier überhaupt bedeutet. Und: Was bedeutet “Hierarchie” hier? Hierarchie der Mitarbeiterstruktur, der Prozessabläufe im Management und Marketing, der Autorisierungsvorgänge für Vermittler? Es geht dir (so glaube ich) auch um die Standpunkte und Forderungen von Mörsch und Co., die eine Kultureinrichtung als “public sphere” bevorzugen würden. Das ist toll und ist auch irgendwie längst überfällig, aber eine Entwicklung (ob nun mit analogen und/oder digitalen Mitteln) in diese Richtung ist eine sehr politische Angelegenheit (viele Bereiche sind betroffen), die nicht von heute auf morgen umsetzbar ist. Immerhin werden die Menschen politischer und Demokratie bekommt auch durch das Web 2.0 eine neue Bedeutung. Das wird irgendwann schon Druck auf Institutionen an sich ausüben, da sie ihre Nutzer verlieren werden, wenn diese sich nicht einmischen dürfen. Oder?

  2. Bettina sagt:

    Yeap, pflichte ich dir bei. Aber das reicht meiner Meinung nach nicht als Argument, die Möglichkeit von Beginn an nicht mit einzurechnen. Allen Angeboten, egal ob digitalen oder analogen, liegen ja immer Entscheidungen zu Grunde – und diese werden selbstverständlich geprägt durch die Einstellung der Entscheidungsträger. Und eben deshalb ist es notwendig, die Bandbreite der Partizipations- und Kollaborationsmöglichkeiten von Anfang an mit einzudenken, um die Räume nicht von Anfang an schon wieder zu schliessen.

  3. Kulturvermittlung und das Social Web | Kultur2Punkt0 sagt:

    [...] der Seite derjenigen, die Kultur vermitteln wollen. Was aber heißt das für Kultureinrichtungen? Bettina Riedrich schreibt in ihrem Blog Museale Vermittlung und Social Media, “dass nicht der Einsatz von partizipativen Medien [...] die Vermittlung partizipativer [...]

  4. Politik als Nadelöhr wird verschwinden | Kultur2Punkt0Kultur2Punkt0 sagt:

    [...] auf Augenhöhe zu leben. In meinem Beitrag über Kulturvermittlung und das Social Web hatte ich Bettina Riedrich zitiert und auch an dieser Stelle passt der Hinweis, der besagt, “dass nicht der Einsatz von [...]

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