Artikel-Schlagworte: „Autorschaft“

Social Media do not create revolutions they accelerate repression

Montag, 10. Oktober 2011

OPEN CALL:
Exhibit what has been rejected by the social media!
Exhibit what caused your account to be deleted!
Exhibit what you don’t dare to exhibit!

Ein künstlerischer Beitrag von THIERRY GEOFFROY / COLONEL zum Thema Social Media und Museen… Eine Wand in seiner aktuellen Ausstellung im Sprengel-Museum Hannover läd ein, zu zeigen, was Facebook zensiert, was man nicht wagen würde, online zu zeigen und warum wer wessen Account löscht. Verspricht, eine spannende Diskussion zu werden! Hoffentlich auch online – Facebook und Twitter ist zumindest integriert *).

Mehr dazu.

Blog zum partizipativen Museum

Sonntag, 10. April 2011

Das Blog des historischen Museum Frankfurt sucht den Dialog zwischen Museumsleuten zum Thema Partizipation. Sehr schön die Auflistung der Ängste und Hoffnungen, die sich mit dem Einsatz von Partizipation im Museum einstellen. Und sehr schön auch die konkreten Fragen zu Partizipation im Museum. Sie rufen förmlich nach einer weiteren Auseinandersetzung!
Zum Beispiel:
Sichert Partizipation die Zukunft des Museums in der modernen Wissensgesellschaft?
Oder:
Verliert das Museum durch Partizipation seine wissenschaftliche Glaubwürdigkeit?

"Social media is like teen sex…

Freitag, 24. September 2010

Everyone wants to do it. No one actually knows how. When finally done, there is surprise it’s not better.”
So ein Tweet von Avinash Kaushik, Webanalyst bei Google. Und so auch das Thema, dem sich eine Tagung am 24. September in der ZHdK widmete. Ausgerichtet wurde sie von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und bot unter dem Titel “The Audience is the message” den gut 100 TeilnehmerInnen aus Kunst, Kulturunternehmen und -institutionen einen Einblick in den aktuellen Stand der Dinge im deutschsprachigen web 2.0.
Gleich zu Beginn polarisierte der launige Medienwissenschaftler Klaus Siebenhaar aus Berlin den Bereich der social media, indem er einerseits den neuen Tools das Potential zusprach, alte Kulturtechniken neu aufzugreifen und zu bearbeiten, den Usern jedoch zu viel “Fernsehmentalität” unterstellte, um wirklich aktiv am Mitmachnetz teilzunehmen (ARD/ZDF-Online-Studie 2010). Dennoch könnten insbesondere kleinere Häuser vom digitalen Wandel profitieren – wobei wirkliche Partizipation seiner Meinung nach nicht stattfinde. Diese Meinung bestärkte er während der Podiumsdiskussion am Ende der Veranstaltung nochmals, wobei er hier stärker ein Augenmerk darauf legte, dass Hierarchien und Fragen nach Autorschaft und Partizipation im Netz stets nur so beantwortet werden können wie auch “in echt”, heisst: Möchte eine Insitution keine ausgeprägte Beteiligung der BesucherInnen, dann ändert daran auch der Einsatz von social media nichts. Dennoch endete Siebenhaar seinen Vortrag mit einer erfrischenden Geschichte eines kleinen Blumenladens in Berlin, der auf Grund von “Respect – Empower – Include” (also Kommunikation auf Augenhöhe – Ermächtigung zur Mitsprache – Einbindung) mit Hilfe eines web 2.0-Projektes gerettet werden konnte.
Stärker marktwirtschaftlich ausgerichtet war der nächste Vortrag von Helge Kaul, Herausgeber einer Studie zu “Social Media Marketing in Kunst und Kultur”, die direkt auf der Homepage der ZHAW bestellt werden kann. Er beschäftigt sich dort insbesondere mit den Fragen, wie intensiv deutschsprachige Kulturanbieter social media einsetzen und ob sich dadurch ein Erfolgsbeitrag im Marketing nachweisen lässt.
Und zum Glück gab es vor der Mittagspause noch einen Blick in die Praxis: Axel Vogelsang und Bettina Minder aus Luzern erarbeiten aktuell mit audience+ einen Leitfaden für Museen im web 2.0, der hoffentlich nächstes Frühjahr als Ergebniss eines partizipativen Prozesses direkt bei audience+ einsehbar sein wird. Man darf gespannt sein. Der Blog von audience+ sowie die bei der Tagung vorgestellten Workshops mit Museen zu Grundlagen, Marketing, Vermittlung, Partizipation und Wissensmanagment im social web sind äussert engagiert und lassen auf einen reflektierten und spannenden Leitfaden/Fragebogen/Blog/… für den musealen Umgang mit social media hoffen.
Ähnlich die Thematik, doch ganz anders der Ausgangspunkt von Stefan Häfliger von etoy.CORPORATION (is art and invests in art). Die Sicht der Künstlerfirma, Aktiengesellschaft, corporate sculpture auf Kunst und die Welt geschieht vor allem unter fünf Gesichtspunkten: Begrenzung, immateriellem Wert, Dokumentation, Autorschaft und Beteiligung. Diskussionen darüber, welchen Unterschied es für Kulturinstitutionen macht, wenn sie “am Netz ziehen und nicht am Seil” folgten, waren hitzig und von oft ähnlichen Ängsten, Hoffnungen und Erwartungen begleitet: Kapazitäten, Deutungshohheit, Fragen nach dem Zielpublikum.
Diese Aspekte wurden auf der folgenden Podiumsdiskussion zum Teil erneut aufgegriffen und sicherlich nicht abschliessend geklärt. Ich möchte sie kurz und assoziativ zusammenfassen mit ein paar Zitaten, Fragen und Anmerkungen, die mir symptomatisch für die Tagung sowie den aktuellen State of the Art im deutschsprachigen Raum erscheinen:

Nutzung des web 2.0 – Zusatz zum eigentlichen Programmes oder mit eigenem, kohärentem Konzept?

Alle digitalen Angebote sind nur so gut, wie das Haus selbst, resp. seine sonstigen Angebote.

Ohne content macht auch das beste Tool keinen Sinn.

Problematisch erscheint der Einsatz von social media weiterhin bezüglich Fragen nach Autorschaft und Kontrolle.

Im Kontollverlust liegt Versprechen.

Jedes neue Medium schafft ein neues Rezeptionsverhalten.

Lust an der Kommunikation. Schwächen und Fehler dürfen passieren.

Häufig hindert eine starke Zielorientierung den Einsatz von web 2.0 Tools, die sich stärker im Prozesshaften verorten lassen.

Der Zauber, der in Live-Aufführungen steckt und dadurch im Ergebniss, ist ein starkes Argument für Kultureinrichtungen. Dieser Zauber kann so im Netz nicht erzielt werden.

Experten sind nicht mehr exklusiv!

Bei dieser vielversprechenden und optimistischen Aussage musste ich leider aufbrechen, habe aber sehr viel mitgenommen aus dem heutigen Tage und hoffe auf einen weiterhin regen Austausch im, über und durch das Netz.

P.S.: Und, mein ganz persönlicher Nachtrag: Dem social web wohnt doch einfach auch immer ein subversives Element inne, das man doch auch mal überlegen könnte, stärker ein- und auszubauen. Oder nicht?

MAI-Tagung in Nürnberg: Beiträge online!

Donnerstag, 26. August 2010

Eine Tagung in Nürnberg hat sich im Mai dem Thema Museums and the Internet angenommen. Inzwischen sind fast alle Beiträge online einsehbar. Die dieses Jahr zum 10. Mal stattfindende Tagung bot einen breitgefächerten Überblick über den – meist deutschsprachigen – Stand der Dinge. Ein grosser Teil der Vorträge beschäftigte sich mit den Chancen aber auch Problemen digitaler Sammlungserschliessungen wie z. B. dem Marburger Bildarchiv oder der Europeana. Stark partizipativen Charakter im Umgang mit Sammlung und Ausstellung zeigten zwei eher kleine Museen auf: Das virtuelle Museum “Haller Zeiträume“, das ein 1925 abgerissenes Haus “bewohnt” und an Hand von Objekten, die meist von BürgerInnen zur Verfügung gestellt wurden, grosse Weltgeschichten im Kleinen thematisiert. Und das Leipziger Stadtgeschichtliche Museum, das nicht nur, aber auch, die Dinge im Netz veröffentlicht, die es nicht mehr besitzt – und dank spitzfindiger BesucherInnen das eine oder andere Objekt wieder ausfindig machen konnte. Mit dem Ausstellen des Nicht-Ausstellbaren beschäftigt sich auch das Jüdische Museum Berlin, das – neben einem grossen Programm für BesucherInnen – in Online-Schaukästen das bespricht, was sie nicht zeigen – was nicht nur einen feinfühligen Umgang mit den Exponaten, sondern auch einen stark selbstreflexiven in Bezug auf die Autorschaft des Museum aufweist. Insbesondere hier wurden auch die Probleme von social web Medien offensichtlich: Nicht alles, was in Blogs, auf Freundschaftsseiten oder über Tags an das Museum herangetragen wird, kann und möchte von diesem öffentlich publiziert werden. Tags im positiven Sinne wurden dahingegen bei ARTigo angesprochen. Dabei handelt es sich um ein Spiel, das Bilder der kunsthistorischen Datenbank der Uni München zur Verschlagwortung bereit hält – zwei gleich vergebene Schlagworte bekommen Punkte und werden in die Datenbank eingepeist (und Highscores werden zusätzlich belohnt *)). Die Bandbreite ist enorm, die Unterschiede zwischen den einzelnen Häusern auch – einig war man sich wohl vor allem darüber, dass es keinen allgemein gültigen Masterplan für den Einsatz von web 2.0-tools gibt – die Bedürfnisse und auch die Kapazitäten der verschiedenen Häuser sind dann doch zu unterschiedlich. Anyway: Ich bin gespannt, was die nächsten Tagungen an spannenden und nachahmenswerten Ideen so bringen und werde weiter berichten … !